Wie der liebe Gastblogger im letzten Beitrag schon erwähnt hat, befinde ich mich momentan in good old Germany. Ich musste dem ganzen Straßenbauzirkus in Madison mal entfliehen, um hier nicht nur ein wenig Ruhe für meine Dissertation zu finden, sondern auch meine Familie und Freunde zu besuchen. Muss schließlich auch mal sein.
Jedesmal, wenn ich wieder nach Deutschland komme, fallen mir die Sachen auf, die sich seit meinem letzten Besuch verändert haben. Heute war ich zum Beispiel mal wieder einkaufen. Ich kann mich noch gut erinnern, als sich früh immer ältere Leute darüber aufgeregt haben, wie viel Englisch gesprochen wird und dass immer mehr Produkte englische Namen bekommen haben:
Erdnüsse hießen auf einmal peanuts, die Vanillemilch wurde plötzlich zum vanilla milk shake und statt Hähnchenflügel gab es überall chicken wings.
Aber scheinbar waren sich die Leute damals noch nicht den Ausmaßen der EU bewusst. Wenn man heute in einen deutschen Supermarkt geht, dann findet man nicht nur Lebensmittel mit englischen Produktbezeichnungen, sondern man kann für ein paar Euros die ganze Vielfalt Europas mit nach Hause nehmen.
In den Konserven, in denen sich früher Chilibohnen befanden, sind heute Chili bonner drin (das o von bonner ist eigentlich quer durchgestrichen, aber Blogger will das einfach nicht so in dem Post drucken). Und anstelle der leckeren Vollkornnudeln mit Spargel, gibt es nur noch Fusilli Integrali und dazu Asperges zu kaufen. Meine Oma backt neuerdings ihre Mohnstriezel mit pavot bleu, kann sich dafür aber über die original österreichische Marillenmarmelade freuen, die früher aus Aprikosen gemacht wurde. Beim Käse habe ich die Auswahl zwischen Queso Manchego oder der leichteren Weight Watcher Variante die jetzt von Vikt Väktarna hergestellt wird. Die neuen Muntsnoepjes schmecken genauso wie die Pfefferminzbonbons, die es früher immer an der Kasse gab.
Richtig lustig wird es allerdings bei den Getränken. Zwar kann ich mir noch ungefähr denken, dass im finnischen (?) Hapankirsikkanektari wohl Kirschnektar/saft drin ist, jedoch wird es beim polnischen (?) brusinky Nápoj z ovocné št’avy doch etwas schwieriger, den Inhalt zu erraten. Zum Glück gibt es da noch das Bildchen und Logo, die mir verraten, dass ich damit wohl Preiselbeersaft von Ocean Spray kaufe.
So wird das Einkaufen zum Abenteuerurlaub und ich finde, dass es jetzt viiiiieeel mehr Spaß macht. Und die Amis, die früher Pauschalreisen unter dem Motto 1 Woche Europa = 10 Länder in 7 Tagen gebucht haben, können für wesentlich weniger Geld fast genauso viel Kultur an einem Nachmittag im Supermarkt erleben. Also, wenn das keine Globalisierung direkt vor der Haustür ist! :o)
4 Kommentare:
Hi there across the ocean!! Is it hot? When I go home to visit, I find there are some new words that I don't know, some English words, adopted and pronounced in a swiss German way, sometimes I can't help laughing, like jogging is Jogga, but the "J" is pronounced as you do in German, or here, Landjaeger sausage, they pronounce the "J" as in English. Can be quite amusing, then,I amuse some people with my accent, so they get to laugh too. My swiss German has an accent too.
Oh well.
Enjoy your visit and don't forget your work, soon to be Frau Doktor :)
Ja, die neuen Wörter sind doch lustig und immer wieder interessant. Leider wird das mit dem Doktor bestimmt noch ein Jährchen dauern... aber ich arbeite fleißig dran.
I think that Preiselbeerthingy you mentioned is Czech. Definitely not Polish (they don't use 'v', they use 'w', like German).
Oh okay, kann sein, dass der Preiselbeersaft, der "aus nordamerikanischen Preiselbeeren hergestellt" wurde, eigentlich Tschechisch ist.
Egal, im Moment zelebriert er gerade in meinem Magen mit einem deutschen Brötchen und der österreichischen Marillenkonfitüre seine ganz eigene europäische Vereinigung.
Hmmm, deutsches Frühstück!!!!
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