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19.12.2008

die Welt aus Sicht eines 4-jährigen

Heute war mein 4-jähriger Patensohn zu Besuch. Ein paar Stunden mit dem kleinen Sonnenschein und ich wünschte, ich könnte die Welt jeden Tag durch seine leuchtenden Kinderaugen sehen. Besonders jetzt in der Adventszeit.

1. Wenn man mit dem Plätzchennaschen warten muss, bis alle am Tisch sitzen, heißt das nicht unbedingt, dass man sich nicht schon mal einen Keks in den Mund schieben darf. Solange er noch rausguckt und man nicht schluckt, zählt es nämlich noch nicht. Selbst wenn man so gute 10 Minuten sitzen muss, bis der Papa endlich aus dem Bad kommt.

2. Mit 4 Jahren ist die ganze Welt ein einziges Klettergerüst. Egal ob draußen oder drinnen, alles lässt sich auf irgendeine Weise erklettern. Wieso sollte man bei diesen ganzen Klettermöglichkeiten überhaupt mal ruhig sitzen bleiben? Totale Zeitverschwendung.

3. Piraten sind cool - oh pardon nicht cool, sondern tool, denn mit der Aussprache des "c" haben wir noch so unsere Probleme.

4. Weihnachtslieder, bei denen man den Text abgeändert hat, sind zum Wegwerfen witzig. Wenn man sie richtig laut singt, sind sie noch witziger. Und wenn man sie so laut singt, dass selbst die Nachbarn sie hören können, sind sie am witzigsten.

5. Bonbons schmecken nur dann richtig gut, wenn sie auch den Mund von innen bunt färben. Und wenn man blaue oder grüne Lippen und Zähne von ihnen bekommt, sind sie der absolute Knaller.

6. Piraten sind ja sowas von tool!

7. Es ist unheimlich wichtig - ja geradezu überlebenswichtig - zu wissen, welche Geräusche Tiere machen und wie man den Ruf einer Wildschweinsau von einer normalen Sau unterscheidet.

8. Wer kommt denn zu Euch, der Weihnachtsmann oder das Christkind? - Ist eine psychologisch sehr tiefgründige Frage, die selbst einen Vierjährigen die Sprache verschlagen und ihn ins Grübeln versetzen kann.

9. Hab ich schon erwähnt, wie tool Piraten sind? Suuuuuupertool. So tool sind die. Jetzt weißt du's!

Welche abenteuerlichen Ideen unter seinem stets zerzausten Lockenschopf der Welt wohl noch verborgen bleiben?

14.08.2008

Umzug!


Befinde mich mitten im Umzug. Das sagt eigentlich schon alles.

Nach diesem Erlebnis gelobe ich hiermit feierlich, mich die nächsten 10 bis 20 Jahre nicht mehr vom Fleck zu rühren. Naja, oder zumindest beim nächsten Mal ein zuverlässiges Umzugsunternehmen anzuheuern.

Nach wochenlangem Aussortieren, Packen, Europaaufenthalt und noch mehr Packen ist es mir doch tatsächlich wie durch Zauberhand gelungen, mein ganzes Hab und Gut in 36 File Boxen zu verstauen ... naja, plus den ein oder anderen Tragetaschen...und ein paar Plastikcontainern...und gebrauchten Möbeln... Meine Kartons und ich, wir waren zum Umzug bereit!

Leider war das die Möbelwagenfirma nicht. Trotz bestätigter Buchung, wollten sie mir auf einmal nicht mehr den Möbelwagen für einen mehrtägigen Umzug zur Verfügung stellen, weil das angeblich zu lang wäre. Na super! Und anscheinend waren sie auch der Meinung, dass es völlig reichen würde, die Reservierung ganze 4 Stunden vor dem Abholtermin zu kündigen. Diese Professionalität ist einfach überwältigend.

Hoffe, ich komme doch noch mal irgendwann in meiner neuen Wohnung an. Drückt mir die Daumen!!!

10.08.2008

Can you see any sheep?

Neulich beim Landeanflug auf Chicago sitzen 2 ältere Iren hinter mir. Wir nähern uns immer mehr der Großstadt und aus den kleinen FLugzeugfenstern kann man schon die beieindruckende Skyline mit dem Sears Tower und Hancock Center erkennen. Mir verschlägt es die Sprache. Der blaue Himmel spiegelt sich im Lake Michigan und vor uns liegt die Metropole: atemberaubend, riesig und einfach wunderschön.

Da fragt der eine Ire den anderen:

Can you see any sheep?

Der andere voller Entäuschung in seiner Stimme:

No, and no cattle either.



Sind eigentlich alle Iren so süß?

27.05.2008

Rudolph das fliegende Rentier

Sie ist knatschrot, sie brennt und fängt schon an, sich zu pellen. Richtig - meine Haut! Ich war gestern in der Sonne und nun schau ich aus, wie ein überdimensionales Glühwürmchen mit einem schlechten Haarschnitt. Und dunklem Haaransatz. (note to self: Frisörtermin machen)

Meine Haut ist einfach kein echtes Sonnenlicht mehr gewöhnt. Nach Wochen vor einem fluoresierenden Computerbildschirm und in schlechtbeleuchteten Klassenzimmern wird sie schon bei den ersten Sommersonnenstrahlen krebsrot. Hinzu kommt, dass ich gerade erkältet bin. So knatschrot und mit röchelnder Stimme muss ich den Leuten wohl ziemlich ansteckend vorkommen, denn irgendwie gingen mir heute alle aus dem Weg...

"Naja, macht nichts," hab ich mir gedacht, "dann bereite ich mich schon mal für meinen Flug in 3 Tagen vor und sortiere schon mal meine Sachen."

Tja! Falsch gedacht! Als ich bei der Fluggesellschaft angerufen habe, wurde mir doch glatt mitgeteilt, dass auf meinen Namen keine Reservierung mehr vorliegt. Aaaaaahhhhhhhhh!

Liebe Leute, mittlerweile bin ich schon über 40 mal über den Atlantik geflogen und jedesmal - ich wiederhole JEDESMAL - ist etwas schief gegangen. Egal bei welcher Fluglinie ich gebucht hatte, wieviel ich für den Flug bezahlt hatte, wann ich geflogen bin oder wer mit mir im Flieger saß. Jedesmal ging irgendetwas schief, aber meine Flugreservierung verloren hat noch keiner!

Es soll ja Leute geben, die fliegen nur ein einziges Mal in ihrem Leben und werden sofort auf ein first-class ticket upgegraded. Wenn ich so etwas höre, muss ich immer schmunzeln. Ich bin soooo oft geflogen und nix mit upgraden! DOWNgraden! WEGgraden! Flugreservierung verlieren!

Ich krieg die Krise!!!

Wenn das Reisebüro die Sache nicht bald in Ordnung bringt, heuer ich beim Weihnachtsmann als Rudolphvertretung an. Mit meiner roten Nase würde ich bestimmt nich auffallen und vielleicht könnte ich so bis nach Europa fliegen...

Schade nur, dass der Weihnachtsmann immer diese lange Sommerpause macht!

25.05.2008

Der elterliche Besuch...

... ist gerade wieder geflogen und jetzt wird Bilanz gezogen:

Gewinne:
1 neue Kaffeemaschine,
1 neuer Toaster,
3 Paar neue Schuhe,
viele schöne Ausflüge :)

Verluste:
1 Kaffeekanne,
1 Kaffeebecher,
1 Topfpflanze
(note to self: Den Vater nicht mehr spülen oder in die Nähe der Jalousetten lassen)

schönste Augenblicke:
Gemeinsames Frühstück mit frischen Bagels und Kaffee aus der neuen Maschine!

Insgesamt:
13 wunderschöne Tage!!!

05.08.2007

Hoffentlich Kamillentee

Mittlerweile bin ich schon fast eine Woche wieder in den Staaten und habe noch gar nicht über das Abenteuer, das sich Rückflug schimpfte, geschrieben. Und weil für alles im Leben eine mehr oder weniger logische Erklärung existiert, gibt es auch eine dafür, warum ich erst jetzt darüber schreibe: Ich musste mich erst von dem Höllenflug erholen. In meinem Leben bin ich schon so manches Mal über den Ozean nach Deutschland geflogen und wieder zurück, aber so etwas wie diesen Flug hab ich noch nie erlebt.

Es fing alles ganz harmlos in Deutschland an. Schon am Flughafen habe ich mich beim Einchecken und den Sicherheitskontrollen natürlich immer die Schlange gestellt, die sich am langsamsten vorwärts bewegt hat. Die Kunst, immer genau die langsame Schlange zu erwischen ist eine angeborene Begabung - sowas kann man einfach nicht lernen. Das steckt im Blut. Fast so wie das Talent, im Supermarkt immer den Einkaufswagen mit dem kaputten Rad, das durch die Gegend eiert, zu erwischen - worin ich übrigens auch Großmeister bin.

Naja, irgendwann hab ich es dann auch bis ins Flugzeug geschafft und da saß ich dann mit 300 anderen Passagieren. Und wir saßen... und saßen... und saßen.

Na klar, denkt Ihr Euch jetzt, so ein Flug in die Staaten kann auch schon mal 8-9 Stündchen dauern, da sitzt man halt lange.

Nur, dass das Flugzeug auch saß. Und zwar immer noch in Deutschland auf dem Rollfeld. Und es bewegte sich nicht vorwärts. 5 Min., 10 Min. 1 Stunde und nach 2 Stunden saßen wir immer noch da. Warum, wusste niemand so genau. Wir saßen halt.

Dabei hatte ich noch das Glück, dass neben mir ein fescher deutscher Medizinstudent saß, der sich gerade auf dem Weg zu seinem Praktikum in Brasilien befand. Also, war die Sache noch nicht soooooo schlimm. Bei solchen knackigen Sitznachbarn bleibt Frau auch gerne noch 2 Stündchen länger sitzen. Hihi.

Irgendwann hat der Flieger auch mal abgehoben und wir waren endlich auf dem Weg in die Staaten. Alles war in Ordnung - bis es das Essen gab.

Ich verstehe einfach nicht, warum diese Fluglinien immer noch Fleischgerichte in ihrem Programm haben. Fleisch schmeckt in Flugzeugen sowie so immer nach Pappe. Ja, klar, ich esse auch sehr gerne Fleisch, aber in einem Flugzeug, in dem man auf engstem Raum aufeinandersitzt, eingeklemmt durch ein Tablett und Schulter an Schulter mit dem Nachbarn, macht so ein Schnitzel einfach keinen Sinn. Sollte man nicht gerade einer Akrobatenfamilie entstammen, grenzt es an eine physikalische Unmöglichkeit, auf so engem Raum irgendwelches Fleisch zu schneiden, ohne dabei seinen Nachbarn zu verletzen. Der Nachbar war natürlich ich und der Täter war der nicht mehr ganz so süß erscheinende Medizinstudent, der sich an einem zu zäh gebratenem Hähnchenschnitzel auf sein chirurgisches Praktikum vorzubereiten schien.

Kleine Notiz an meine Leser:
Wenn Ihr das nächste Mal fliegt, wählt das Nudelgericht und lasst Euren Nachbarn leben!

Naja, ein paar Stunden später bin ich endlich in Atlanta gelandet. Im Laufe des Fluges hab ich zwar einige Nerven verloren, aber dafür war ich bei der Landung um ein paar blaue Flecken von meinem Sitznachbarn reicher. So gleicht sich dann alles irgendwie wieder aus.

In Atlanta sollte ich ursprünglich 7 Stunden Aufenthalt haben, aber das waren ja jetzt nur noch 5 wegen des verspäteten Abflugs. Also hatte ich viel Zeit, mich im Flughafen ein wenig umzusehen.

An keinem anderen Platz der Welt, werden auf so engem Raum von so vielen Menschen so viele unterschiedliche Emotionen geteilt wie in einem Flughafen. Ich suche gerne nach diesen Emotionen in den Gesichter der anderen Reisenden während ich auf meinen Anschlussflug warte. Fünf Stunden später war ich aber wirklich bereit für den Weiterflug. Mittlerweile war es schon 20 Stunden her, seit ich mit meiner Mutter zum Flughafen in Deutschland gefahren war. Ich war bereit für mein Bett. Aber das sollte noch ein wenig auf mich warten...

An dem Gate, von dem aus es weiter gehen sollte, wurde uns mitgeteilt, dass unser Flug 30 Min. Verspätung hat. Ich hätte es wissen sollen, dass das Gewitter bei unserer Ankunft in Atlanta nichts Gutes bedeuten würde. Aber 30 Minuten sind ja nicht die Welt, die konnte ich auch noch warten.

Doch die neue Abflugzeit kam und die neue Abflugzeit ging auch wieder. Nur von unserem Flieger war auf dem ganzen Flughafen nichts zu sehen. Dann wurde aus den 30 Minuten plötzlich eine Stunde, aus der einen Stunde wurden zwei und drei usw. bis uns um 1 Uhr morgens mitgeteilt wurde, dass unser Flug gecancelt wurde. Na super!

Die freundlichen Mitarbeiter der amerikanischen Fluglinie mit dem griechischen Buchstaben im Namen konnten uns auch nicht weiterhelfen, denn deren Schicht war gerade zu Ende und was uns denn überhaupt einfallen würde jetzt, mitten in der Nacht unseren Flug umbuchen zu wollen. Sie müssten jetzt nach Hause zu ihren Familien und ins Bett. Na dann, gute Nacht, Marie!

Nachdem ich mit mindestens 4 verschiedenen Mitarbeitern der Chaotengesellschaft gesprochen hatte, geriet ich endlich an eine Mitarbeiterin, die mich auf den nächsten freien Flug nach Hause umbuchen wollte, und der wäre dann drei Tage später gewesen. Ich muss die Mitarbeiterin wohl ein wenig zu lange mit weit aufgerissenen Augen und heruntergeklapptem Kiefer angestarrt haben, denn sie fügte noch gleich hinzu, dass die Fluggesellschaft natürlich auf gar keinen Fall für ein Hotel oder Essen oder sonstige Kompensationen aufkommen würde, denn es wäre ja schließlich nicht die Schuld der Gesellschaft, dass das Wetter schlecht wäre.

Na super! Ich sollte also 3 Tage auf eigene Kosten in Atlanta bleiben bis die mich in den nächsten Flieger setzen würden. Als ich das Bewusstsein wieder erlangte, bat ich die gute Frau dann aber doch lieber, mich auf einen Flug nach Chicago umzubuchen, damit ich von dort aus den Bus nach Hause nehmen könnte. Der nächste Flug, auf den ich endlich gebucht wurde, sollte um 7 Uhr morgens gehen. Bis dahin waren es ja nur noch 6 Stunden und da die Fluggesellschaft kein Hotel bezahlen wollte, musste ich wohl oder übel auf dem Flughafen übernachten.

Ich sag es Euch, man muss schon sehr kreativ sein, um aus einem Laptop, einer Frauenzeitschrift und ein paar Dissertationsnotizen ein gemütliches Nachtlager zu basteln. Zum ersten Mal in meinem Leben bereute ich es, als Kind nicht den Pfadfindern, sondern dem Turnverein begetreten zu sein. Und obwohl ich zu dem Zeitpunkt schon mehr als 24 Stunden unterwegs war und mir eine nette Putzfrau eine Flugzeugdecke gab, konnte ich bis zu meinem Weiterflug nicht wirklich schlafen.

Naja, irgendwann saß ich dann zwischen einer ganzen Meute Geschäftsleute im Flieger nach Chicago. Zuvor wurde ich noch von einem anderen Flugbegleiter angeschnauzt, weil ich es gewagt hatte, mich zu erkundigen, wohin mein Gepäck denn jetzt geleitet würde. Aber das Anschnauzen von Mitarbeitern dieser unheimlich kompetenten und gut organisierten Fluglinie (Achtung: Sarkasmus) war ich ja mittlerweile gewohnt.

Ich kam auch tatsächlich irgendwann in Chicago an, aber meine Koffer natürlich nicht. Wieso auch. Das wäre ja zu einfach gewesen. Also habe ich beim nächsten Mitarbeiter meine Koffer als vermisst gemeldet, mich wieder anschnauzen lassen, habe wieder um das Busticket nach Hause gebettelt und so weiter und so fort. Ich war so wie so schon im Koma, weil mittlerweile 35 Stunden ohne Schlaf und meine Zahnbürste hatte ich auch irgendwo in einer Flughafentoilette liegen gelassen. Scheiße!

Wenn ich den Flug bei einer anderen Fluglinie, die man nicht (wegen ihrer Abkürzung) mit den anonymen Alkoholikern verwechseln sollte, gebucht hätte, wäre ich 12 Stunden eher, ohne Nacht am Flughafen und wahrscheinlich noch ein paar Dollar günstiger MIT meinen Koffern in Chicago angekommen. Aus Fehlern lernt man.

Mit dem Bus waren es ja dann auch nur noch 3 1/2 Stunden nach MadTown und noch mal 20 Minuten bis zu meiner Studentenwohnung. Wie ich nach Hause gekommen bin, weiß ich nicht mehr ganz so genau, denn irgendwann hatte ich dann einen Filmriss. Es könnte sein, dass mir im Bus der Sandmann begegnet ist oder auch dass ich von Aliens entführt und an mir wissenschaftliche Experiemente durchgeführt wurden. In der Situation war mir alles egal.

Wer jetzt aber meint, das wäre schon das Ende der Geschichte, der irrt sich leider. Zuhause in MadTown begrüßten mich erstmal ganze Kolonien toter Käfer und ein sehr eindringlicher Geruch. Der Manager hatte nämlich wegen des heißen Sommers und einer Ohrenkneiferplage in unseren Apartments den Kammerjäger bestellt. Also musste ich erst mal ordentlich durchlüften, um der Gefahr zu entgehen, wie einer der Käfer auf den Rücken liegend und alle fünfe (zwei Arme, zwei Beine und eine Zunge) von mich streckend in das Land der ewigen Träume zu entweichen. Ich habe also der Versuchung besonders farbenfrohe Träume zu bekommen widerstanden und habe erstmal den Käfern eine Staubsaugerbestattung bereitet.

Als ich gerade fertig war und ins Bett wollte (mittlerweile 43 Stunden ohne richtigen Schlaf), klingelte das Telefon. Die Folter-Luftgesellschaft. Sie wollten mir doch mal eben, in den nächsten 2 Stunden meine Koffer, die jetzt endlich zu Hause eingetroffen sind, vorbeibringen. Ob ich denn so lange noch zu Hause wäre.

Nee eigentlich wollte ich heute Nacht mal auf Kneipentour gehen. Oob sie mich nicht noch mal in 12 bis 24 Stunden zurückrufen könnten.

Äh nee, das ginge nicht, sonst müsste ich Gebühren für die Gepäckaufbewahrung bezahlen. Er käme dann einfach gleich mal vorbei.
Offensichtlich verstand der Mitarbeiter keinen deutschen Sarkasmus und hatte auch kein Verständnis für meinen Schlafentzug. Ich wollte gerade noch sagen, dass er das Gepäck ruhig noch behalten sollte, ich wolle doch nur schlafen, da hatte er schon aufgelegt und stand erst 2 Stunden später vor meiner Tür.

Okay, Koffer da, Käfer weg. Ich war bereit fürs Bett. Da mache ich meinen Koffer auf, um mein Nachthemd herauszukramen und ... meine Kleidung ist ganz nass. Ich hatte nichts dabei, was auslaufen hätte können und der Koffer war nur von innen nass. GELB und nass. Ich habe keine blasse Ahnung, was da passiert ist. Vielleicht hat ein netter Beamter vom Grenzschutz eine Tasse Kamillentee über meine Sachen gekippt, oder ein Hund, der nach Drogen schnüffeln sollte.... Naja, das könnt Ihr Euch vielleicht selber vorstellen. Jedenfalls bin ich mit einem anderen Nachthemd ins Bett und habe am nächsten Tag alles gewaschen. Ich überlasse es Eurer Fantasie, was da passiert ist, aber ich kann Euch sagen, es hat nicht nach Kamillentee geduftet...

31.07.2007

Eheliche Verantwortung

Hallo, schon wieder der Gastblogger im Einsatz. Also pass auf, was ich schreibe und das, was Nici schreibt, sonst wird jemand glauben, Nici sei Amerikanerin, kommt aus Pennsylvanien und ist männlich. Nici ist weder aus Pennsylvanien noch männlich. Und trotz etlicher Online-Tests ist sie immer noch keine Amerikanerin.
Ich war vor kurzem (sprich: vor einem Monat) in Pennsylvanien, meinem Heimatbundesstaat (nebenbei: ich bevorzuge die alte Form “Pennsylvanien” anstatt des Anglizismus “Pennsylvania” und werde diese in diesem Eintrag gebrauchen. Ich schreibe auch “Chikago”, “Sanfranzisko” und ab und zu “Neu York” oder, besser noch, “Neujork”. Bitte kein Gegenkommentar). Grund für die lange Reise war die Hochzeit meiner Schwester.
Ich war an der Zeremonie beteiligt und konnte daher nicht absagen. Nicht, dass ich irgendetwas gegen die Hochzeit oder den Mann hatte. Nein, ich kann Hochzeiten einfach nicht vertragen. Unbequeme Smokings, enge, hochpolierte Schuhe und Verwandte, die dir ständig sagen, “Du bist der Nächste, der heiratet”. Ich will's einfach nicht hören.
Ein großes Problem für mich war die Tatsache, dass ich den Bräutigam kaum kannte. Ich war in Deutschland, als meine Schwester und er sich kennenlernten, und dann ab nach Wiskonsin (ich wiederhole: kein Gegenkommentar!). Aber, da ich an der Zeremonie teilnahm, hatte ich die Gelegenheit, mit ihm ein bisschen mehr Zeit zu verbringen, als bisher möglich war. Er ist ein netter Typ und, obwohl er im Militär ist, ist er ziemlich “leise gesprochen” (so steht's im Leo. Auf Englisch: soft-spoken). Das ist gut, da meine Schwester laut ist und immer die Oberhand hat. Er hat zu Hause nichts zu melden.
Naja, die Frauen im Forum langweilen sich schon, und ich sollte hier mehr über die Hochzeit selbst schreiben. Das Hochzeitskleid war natürlich weiß, und die Brautjungfer tragen alle kremfarbige Kleider. So eine große Hochzeit hab ich nie gesehen. Es gaben mehr als 150 Menschen in der Kirche, und über 200 bei der Feier. Meine Schwester sagte mir später, sie habe 4.000 Dollar für die Blumen, 4.000 für die Fotos und 19.000 für die Feier ausgegeben. Warum verschwenden Frauen so viel Geld für Hochzeiten? Ich kann es kaum fassen. Sie hätte ein oder sogar zwei neue Autos kaufen können! Und danach war die Hochzeitsreise. Das war auch 4.000 Dollar.
Es war aber eine schöne Woche in Pennsylvanien. Nun ist das Brautpaar in Texas an irgendeiner Base, und meine Schwester sucht Arbeit als Lehrerin. Ich frage mich, wie lange das hält. Ist das zynisch? Männer denken ja anders als Frauen.
Es ist so heiß jetzt hier in Madison. Nici...ab ins Kino?

19.07.2007

Der Jagdinstikt des Mannes

Am Montagabend sind wir wieder aus Wien zurückgekehrt. Und was ich da vorgefunden habe, hat mich zu folgendem Beitrag inspiriert:

Zuvor aber eine kleine Anmerkung am Rande:
Im folgenden Beitrag steht der Begriff "Mann" für einen bestimmten Mann und muss sich nicht unbedingt auf alle Männer beziehen. Jegliche Ähnlichkeiten zu lebenden oder toten Familienmitgliedern sind natürlich nicht unbeabsichtigt und auch kein reiner Zufall. Sollte sich irgendein männlicher Leser dadurch angesprochen fühlen, so möge dies bitte nicht unbeachtet bleiben.


Männer sind grundsätzlich von Frauen abhängig. Das war auch schon bei Adam und Eva so und wird es auch immer bleiben. Daher ergeben sich gewisse Probleme, sobald sich Frau auf die Reise zu einer Hochzeitsfeier begibt, aber der Mann beschließt, zu Hause zu bleiben.

Über die Defizite eines Mannes bewusst, bereitet Frau ihre Abreise gekonnt und gewissenhaft vor, und kocht schon mal für 3 Tage im Voraus. Mann soll ja nicht verhungern, während Frau sich den kulinarischen Hochgenüssen eines ausgiebigen Hochzeitsbuffets hingibt.

Leider hat Frau dabei nicht durchdacht, dass selbst vorgekochte Gerichte in einer Mikrowelle aufgewärmt werden müssen. Viele möchten meinen, dass ein technisches Gerät wie eine Mikrowelle kein Problem für einen erwachsenen Mann des 21. Jahrhunderts darstellt. Jedoch wurde dabei nicht bedacht, dass Terminologie wie "garen", "dünsten" oder "aufwärmen" nicht im Vokabular eines Mannes existieren. Mann entscheidet sich grundsätzlich für die höchstmögliche Wattzahl und gerät erst dann in leichte Panik, wenn die vorbereiteten Speisen der nächsten drei Tage explodierterweise von den Innenwänden der Mikrowelle tropfen.

Was tun? Von Hunger und Verzweiflung getrieben, besinnt sich Mann wieder auf seine Urinstinkte. Mann braucht Fleisch, blutiges Fleisch, am besten über offenem Feuer. Also wird der Grill herausgekramt.

Für Feuer ist gesorgt und Mann freut sich, dass er es wieder einmal geschafft hat, ein Naturelement zu bezwingen und zu seinem Nutzen zu machen. Jetzt fehlt nur noch das Fleisch. Säbelzahntiger und Mammuts sind ausgestorben. Vielleicht Nachbars Katze, die immer vor die Haustür pinkelt...? Nein! Nicht genug Fleisch dran und außerdem will man sich ja noch nächste Woche die Flex vom Nachbarn ausleihen. Trotzdem. Wenn der Jagdinstinkt erst einmal geweckt ist...

Statt auf einen Rennsaurier schwingt sich Mann in sein frisch gewaschenes Auto und düst zum Supermarkt. Dort erstarrt Mann erbarmungsvoll vor der Artenvielfalt seiner Beute. Es gibt tatsächlich mehr als die eine Sorte Bratwurst, die ihm in 30jähriger Ehe jeden Samstag von seiner Frau vorgesetzt wurde. Schnell wischt Mann sich eine kleine Freudenträne von der Wange, denn man darf als Mann keine Emotionen zeigen. Besonders nicht vor seiner Beute. Mann entscheidet sich für 2 Packungen von der Wurst mit den Petersilien- und Bärlauchstückchen, denn so kann Mann auf Anfrage der Frau später behaupten, nicht nur Fleisch, sondern auch etwas Grünes gegessen zu haben.

Mann ist mit seiner Beute zufrieden und begibt sich auf den Heimweg. Zu Hause angekommen wird die Beute sofort ins Feuer geworfen und nur wenige Minuten bzw. fünf Würstchen später sitzt Mann mit vollem Magen im Garten und blickt voller Stolz auf seine Selbständigkeit in die langsam verlöschende Glut seines Campinggrills.

Am nächsten Tag nähern sich die Fleischvorräte allerdings schon dem Ende. Außerdem ist Sonntag und die Kühltheke im Supermarkt somit unerreichbar. Was tun?

In seiner Verzweiflung wird der hungrige Mann von einem Nachbarn im Garten entdeckt und über den Zaun zum Mitgrillen eingeladen. Mann lässt sich nicht zwei Mal bitten und somit ist nicht nur der Fleischkonsum, sondern auch das Überleben für einen weiteren Tag gesichert.

Am dritten Tag kehrt dann auch endlich Frau von der Hochzeitsfeier zurück. Freudestrahlend empfängt sie Mann und erzählt mit stolz geschwellter Brust von seinem Überlebenskampf am Wochenende.

Frau blickt zuerst Mann in die Augen und analysiert dann die Lage: Die von explodierten Essensresten triefende Mikrowelle, das braun gewordene Obst in der Küche, den verwelkten Salat, den kaputten Rasenmäher im Garten, den Strafzettel, den Mann für zu schnelles Fahren zum Supermarkt bekommen hat und natürlich die eingegangenen Blumen, die Mann vergessen hatte, übers Wochenende zu gießen.

Die Augen der Frau werden immer größer, als sie von der männlichen Selbstversorgung hört, denn 10 Würstchen sind normalerweise die Ration, die Frau nicht wie Mann an einem Wochenende, sondern über mehrere Monate verteilt zu sich nimmt. Doch der Schaden am Mann, ausgelöst durch übermäßigen Fleischkonsum, scheint sich gering zu halten. Er lächelt Frau an und sagt:

"Schön, dass Du wieder da bist. Was gibt`s zu essen? Ich hab Hunger."

13.07.2007

Nici on Tour

Kleine Zwischenmeldung:
Ich bin immer noch auf der anderen Seite des Ozeans, sprich in Good Old Germany.

In den letzten Tagen habe ich ganz viele Freunde und Verwandte besucht und bin ein paar Mal in einem kleinen Äuteken quer durchs Ruhrgebiet geflitzt. Von Recklinghausen bis runter nach Aachen, wobei ich fast in Belgien gelandet wäre. Die deutschen Autobahnen sind aber auch kompliziert, wenn man sich erst mal an das Schachbrettmuster der amerikanischen Straßen gewöhnt hat! Und wieso ich auf dem Rückweg plötzlich in der Düsseldorfer Innenstadt stand, ist mir auch nicht ganz klar.

Naja, morgen wechsel ich mal das Fortbewegungsmittel und fliege nach Österreich zur Hochzeit meiner Cousine. Ich bin dann erst mal wieder weg. Tschüssikowski!

08.07.2007

Amerikanische Küche

Für aktuellere Beiträge, bitte zur Startseite gehen.

Nach fast 2 Wochen Deutschlandurlaub vermisse ich Amerika schon so sehr (hey, was macht denn mein amerikanischer Gastblogger eigentlich?), dass ich jetzt angefangen habe, meine Eltern amerikanisch zu bekochen. Wenn man von ein paar verbrannten Hähnchenkeulen und meiner verzweifelten Suche nach Raspberry Vinegarette in unserem deutschen Supermarkt mal absieht, hat bisher auch alles ganz gut geklappt. Beim Stöbern nach neuen amerikanischen Gaumenfreuden im Internet bin ich dann plötzlich über dieses Cooking Festival gestolpert.

Blog-Event XXV- American Cooking

... und schon musste ich loslegen. Um an dem Festival teilzunehmen muss man ein amerikanisches Rezept veröffentlichen. Da viele meiner Freunde in Deutschland mir nicht ganz glauben, dass sich die Amis auch von anderen Sachen als Hamburger und Cola ernähren, habe ich mich für ein etwas gesünderes Rezept entschieden. Und hier ist es:


Amerikanischer Brokkoli Salat
Dieser süß-salzige Rohkostsalat passt gut als Beilage zum Grillen, oder zu einem kalten Buffet. Da er vor dem Verzehr eine Weile durchziehen muss, schmeckt er besonders lecker, wenn man ihn am Abend vorher zubereitet.

Zutaten:
8-10 Scheiben Schinken
1 frischen Kopf Brokkoli (natürlich roh)
¼ cup = 4 EL rote Zwiebel, fein gehackt
½ cup = 8 EL Craisins/ so `ne Art Rosine aus Preiselbeeren gemacht
3 EL (weißen) Essig
2 EL Zucker
1 cup = ca. 16 EL Mayonnaise
ca. 8 EL Walnüsse oder Sonnenblumenkerne (nach Belieben mehr oder weniger)

Zubereitung:
Den Schinken scharf anbraten, abkühlen lassen und in kleine Stückchen schneiden.
Die Zwiebel fein hacken und den Brokkoli in sehr kleine Röschen teilen. Den rohen Brokkoli mit der Zwiebel und den Rosinen mischen.
In einer kleinen Schüssel den Essig, den Zucker und die Mayonnaise als Dressing anrühren.
Das Dressing über die Brokkoli-Zwiebel-Rosinen-Mischung gießen und den Salat mindestens 2 Stunden im Kühlschrank durchziehen lassen.
Vor dem Servieren die Sonnenblumenkerne und die Schinkenstückchen unter den Salat mischen.
Ergibt ca. 6 Portionen

Für mehr Beiträge darüber, was die Amis so mit ihrem Essen anstellen, findet Ihr hier: Chökölätekäke und Brätwürst


Falls Ihr auch ein Lieblingsrezept habt (muss auch nichts mit Amerika zu tun haben), lasst es mir bitte zukommen. Mir gehen nämlich so langsam die Ideen aus und ich freue mich immer wieder, etwas Neues auszuprobieren.

29.06.2007

Globalisierung im Supermarkt

Wie der liebe Gastblogger im letzten Beitrag schon erwähnt hat, befinde ich mich momentan in good old Germany. Ich musste dem ganzen Straßenbauzirkus in Madison mal entfliehen, um hier nicht nur ein wenig Ruhe für meine Dissertation zu finden, sondern auch meine Familie und Freunde zu besuchen. Muss schließlich auch mal sein.

Jedesmal, wenn ich wieder nach Deutschland komme, fallen mir die Sachen auf, die sich seit meinem letzten Besuch verändert haben. Heute war ich zum Beispiel mal wieder einkaufen. Ich kann mich noch gut erinnern, als sich früh immer ältere Leute darüber aufgeregt haben, wie viel Englisch gesprochen wird und dass immer mehr Produkte englische Namen bekommen haben:
Erdnüsse hießen auf einmal peanuts, die Vanillemilch wurde plötzlich zum vanilla milk shake und statt Hähnchenflügel gab es überall chicken wings.

Aber scheinbar waren sich die Leute damals noch nicht den Ausmaßen der EU bewusst. Wenn man heute in einen deutschen Supermarkt geht, dann findet man nicht nur Lebensmittel mit englischen Produktbezeichnungen, sondern man kann für ein paar Euros die ganze Vielfalt Europas mit nach Hause nehmen.

In den Konserven, in denen sich früher Chilibohnen befanden, sind heute Chili bonner drin (das o von bonner ist eigentlich quer durchgestrichen, aber Blogger will das einfach nicht so in dem Post drucken). Und anstelle der leckeren Vollkornnudeln mit Spargel, gibt es nur noch Fusilli Integrali und dazu Asperges zu kaufen. Meine Oma backt neuerdings ihre Mohnstriezel mit pavot bleu, kann sich dafür aber über die original österreichische Marillenmarmelade freuen, die früher aus Aprikosen gemacht wurde. Beim Käse habe ich die Auswahl zwischen Queso Manchego oder der leichteren Weight Watcher Variante die jetzt von Vikt Väktarna hergestellt wird. Die neuen Muntsnoepjes schmecken genauso wie die Pfefferminzbonbons, die es früher immer an der Kasse gab.

Richtig lustig wird es allerdings bei den Getränken. Zwar kann ich mir noch ungefähr denken, dass im finnischen (?) Hapankirsikkanektari wohl Kirschnektar/saft drin ist, jedoch wird es beim polnischen (?) brusinky Nápoj z ovocné št’avy doch etwas schwieriger, den Inhalt zu erraten. Zum Glück gibt es da noch das Bildchen und Logo, die mir verraten, dass ich damit wohl Preiselbeersaft von Ocean Spray kaufe.

So wird das Einkaufen zum Abenteuerurlaub und ich finde, dass es jetzt viiiiieeel mehr Spaß macht. Und die Amis, die früher Pauschalreisen unter dem Motto 1 Woche Europa = 10 Länder in 7 Tagen gebucht haben, können für wesentlich weniger Geld fast genauso viel Kultur an einem Nachmittag im Supermarkt erleben. Also, wenn das keine Globalisierung direkt vor der Haustür ist! :o)

24.06.2007

Südländercharme

7 Stunden im Flughafen in Atlanta.

Die Leute im Süden sehen ganz anders aus als bei uns im hohen Norden in Wisconsin. Naja, ihr wisst schon. Besonders so im Gesicht. Wie nennt man das noch mal? Ach ja, LÄCHELN. Gibts in Wisconsin zwar auch ab und zu, aber nicht so oft und nicht so ohne Grund wie in Atlanta. Und die Deutschen lächeln ja nie ohne Grund. War fast ein wenig unheimlich. Hat mir aber gut gefallen.

In der Wartehalle habe ich mich direkt hinter 2 Südstaatler-Ladies gesetzt und ihnen bei der Unterhaltung zugehört. Macht man ja eigentlich nicht, aber ich hab eh nur die Hälfte verstanden und ich fand die Sprache so faszinierend. Da hätte ich noch tagelang zuhören können.

Soweit also meine ersten Erfahrungen mit den Südstaatlern. Ich glaub, ich komme wieder.