Das Leben lehrt uns viele Dinge wie z.B. dass ein Unglück selten allein kommt, dass man keine Kekse in der Mikrowelle aufwärmen sollte und, dass es immer noch schlimmer kommen kann.
Als ich den gestrigen Blogeintrag fertig geschrieben hatte und gerade dabei war, meinen Abwasch zu erledigen und mir immer noch Gedanken über mein Auto und mein nicht vorhandenes Geld zu machen, passierte es. Der Feueralarm in meiner Wohnung ging los.
Wie ihr vielleicht wisst, sind hier in Amerika so gut wie alle Häuser aus Holz und deshalb gibt es in jedem Raum einen Rauchmelder und einen Feueralarm. Der Rauchmelder geht so ca. 2-3 mal pro Woche los, z.B. wenn man kocht oder duscht oder ihn schief anguckt. Er lässt sich aber genauso schnell auch wieder beruhigen. Anders sieht es aus, wenn der Feueralarm mal anspringt, denn wenn das Ding an ist, dann ist es erst mal an. Allerdings ist das in den Universitätswohnungen nichts Besonderes, denn wie jeder Student weiß, gehört ein falscher Feueralarm in Studentenwohnheimen praktisch genauso zum Alltag wie, naja, z.B. der UPS Bote (er kommt nicht jeden Tag, aber doch so ca. 1 mal im Monat).
Ich hab mir also zunächst keine großen Sorgen gemacht, sondern erst mal die Wohnungstür geöffnet, um die Situation zu checken. Als mir aber aus dem Treppenhaus die Rauchschwaden entgegen kamen, hab ich mir dann doch gedacht, ich sollte vielleicht zusehen, dass ich ins Freie komme. Also hab ich meinen Ausweis mit dem Visum, mein Flugticket nach Hause und das Allerwichtigste, meinen Computer mit meinen Forschungsdaten und den Scantron Sheets, geschnappt und bin durch die Hintertür nach draußen geflüchtet. Von mir aus kann das halbe Haus abbrennen, aber meine Dissertationsforschung beschütze ich mit meinem Leben.
Vor dem Haus hatte sich mittlerweile die gesamte Nachbarschaft eingefunden, denn so ein Feueralarm ist hier verdammt laut, was auch Sinn macht, denn wenn hier ein Holzhaus brennt, dann kann auch schnell die ganze Nachbarschaft Feuer fangen. Naja, und da standen wir dann erst mal ein Weilchen: 5 Minuten, 10 Minuten, 15 Minuten und guckten zu, wie der Rauch wieder aus unserem Haus abzog (es hatte nämlich nicht wirklich gebrannt, sondern nur gequalmt, aber da waren wir uns erst nicht so sicher). Scheinbar hatte die Studentin in der Wohnung über mir den Alarm ausgelöst, weil sie versucht hatte, in ihrer Mikrowelle einen Keks aufzuwärmen. Okay, das mag sich für Deutsche etwas merkwürdig anhören. Ich muss allerdings zu ihrer Verteidigung sagen, dass das hier in Amerika nichts Ungewöhnliches ist. Die Amis machen sowas. Die stecken so ziemlich alles in Mikrowellen. Auf der Kekspackung stehen sogar Anweisungen, wie man die Kekse erwärmen soll (- hat meine Nachbarin aber wohl vorher nicht gelesen).
Naja, ich muss aber auch zugeben, dass besagte keksverbrennende Nachbarin der Grund dafür ist, dass ich vor ein paar Wochen eine Art Hausratsversicherung abgeschlossen habe, die mich im Falle eines Brandschadens finanziell absichern soll. Dies war nämlich nicht das erste Mal, dass ich wegen dieser Nachbarin nachts um 11 Uhr mit meinem Computer im Arm vor unserem Haus gestanden habe.
Irgendwann wurde uns das alles zu dumm. Der Rauch war weg, der Alarm noch da. Die Nachbarn sind wieder nach Hause und ich bin auch wieder reingegangen, um meinen Abwasch mit Stöpseln im Ohr zu erledigen, denn der ohrenbetäubende Alarm war ja immer noch an. Ich hab immer Ohrstöpsel auf meinem Nachtischchen liegen, denn meine Nachbarin telefoniert auch ganz gerne mal nachts um 3.30 Uhr mit ihren Freunden/innen in Ohio. Wie schon mehrmals erwähnt, sind die Häuser hier aus Holz und deshalb nicht nur extrem brennbar, sondern auch SEHR hellhörig. Man kann sogar hören, wenn jemand in einer der anderen Wohnungen eine Schublade öffnet, geschweige denn, mitten in der Nacht am Telefon seinen Freund anschreit oder laut loslacht.
Naja, und so habe ich dann halt mit Ohrstöpseln meinen Abwasch erledigt, bis irgendwann ein paar nette Feuerwehrmänner und eine Feuerwehrfrau vor meiner Tür standen. Während drei von denen durch das ganze Haus liefen, um heraus zu finden, wie man den Alarm wieder abstellt, fing einer der Feuerwehrleute an, heftig mit meiner Nachbarin zu flirten. Ich finde es sagt schon sehr viel über einen Mann aus, wenn er meint mit einer Frau flirten zu müssen, die gerade einen Feueralarm ausgelöst hat, weil sie versucht hat, einen Keks in ihrer Mikrowelle zu erwärmen. Hmm. Aber okay. Ich habe dieses Erlebnis unter "Dinge, die ich niemals über (amerikanische) Männer verstehen werde" verbucht.
Nach weiteren 15 Minuten schwerer Anbaggerungsversuche, hat irgendjemand dann endlich herausgefunden, wie man den blöden Alarm wieder abstellt und wir konnten, auch ohne Ohrstöpsel, wieder ins Haus. Vorher hab ich aber noch schnell ein Foto von dem Löschfahrzeug geknipst, das die ganze Zeit in voller Beleuchtung vor unserem Haus stand, so dass die Nachbarn nicht nur durch die sound effects unseres Feueralarms, sondern auch durch die light show der Feuerwehr kostenlose Abendunterhaltung frei Haus geliefert bekamen.
Wir merken uns also:
Wenn du glaubst, es geht nicht mehr, kommt irgendwo ein Feuer her (- oder zumindest ein Feueralarm).
Nein, ehrlich gesagt bin ich froh, dass meine Wohnung nicht abgebrannt ist und dass sich zumindest dieses Problem in Rauch aufgelöst hat. Ich wünschte, die Probleme mit meinem Auto täten das auch, aber man kann wohl nicht alles haben.
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