
Dieses Wochenende war ich in New Glarus, einem kleinen Ort ca. 45 Autominuten von Madison entfernt. New Glarus wurde 1845 von Schweizern besiedelt, die eigentlich ganz schnell den typischen American Way of Life übernommen haben. Naja, und nach über hundert Jahren in Amiland, hatten sie sich dann so an die amerikanischen Bräuche und materialistische Lebensweise gewöhnt, dass sie sich wohl überlegt hatten, selbst aus ihren schweizer Wurzeln Geld zu schlagen. Und so wurde in den 60er Jahren kurzerhand ein schweizer Architekt bestellt, der das halbe Städtchen zu einer Disneyland-Version der Schweiz umgebaut hat.

Naja, wie man sieht ist den Amis das auch ganz gut gelungen, nur so eine Kuh ist mir in der richtigen Schweiz noch nie über den Weg gelaufen. Aber die kannte ich ja schon aus Madison.

Zu meinem großen Bedauern hatten wir leider in diesem Jahr schon das Heidi Festival verpasst. Naja, man kann nicht alles haben. Dafür fand ich eigentlich die schweizerisch-reformierte Kirche ganz schön:
Von innen hatte sie zwar eher einen amerikanischen Charakter...

... aber wenn man genau hinguckte, fand man auch hier den schweizer Einfluss:

Auch sonst versuchen die Amerikaner alles authentisch zu gestalten. Die Preise in den Restaurants entsprechen direkt dem teuren schweizer Vorbild und auch die Straßen sind zweisprachig ausgeschildert. Selbst die Schweizerin in dem Souvenirladen war super nett zu meinen amerikanischen Freunden, guckte mich aber noch nicht mal mehr an, nachdem sie mitbekommen hatte, dass ich Deutsche bin. Genauso wie in der Schweiz.
Ich musste mich daher schwer beherrschen, um nicht doch eine Milka-Schokolade zu kaufen, obwohl sie meine Lieblingssorte "Erdbeer-Joghurt" dort hatten. Allerdings konnte ich einfach nicht an einer Karte vorbeigehen, die ich dann schliesslich doch für einen kranken Freund kaufen musste. (Check your mail box, Jim Bob.) Der Kartentext lautet:
"Herzliche Wünsche
Es geht alles vorüber
Es geht alles vorbei
Bald gibt´s wieder Wurst
Statt bitterer Arznei.
Gute Beßerung" (Alfred Mainzer)
Die Karte wurde in Spanien für einen New Yorker Verlag auf Deutsch gedruckt und ich nehme mal an, dass sie nur die Wurst erwähnen und das "ß" mit eingebaut haben, um die Karte authentischer wirken zu lassen. Dabei gibt es in der Schweiz noch nicht mal ein "ß". Aber es hätte mich auch nicht gewundert, wenn sie noch ein paar Umlaute mehr mit eingebaut hätten, denn hier am Flughafen in Madison gibt es auch einen "Würststand" und in der Eisdiele verkaufen sie hier "Germanchökolätekäke" als Eissorte, was übrigens sehr gut schmeckt. Mmmh!
Die einzig wahre Entäuschung in New Glarus waren die Berge. Die waren nämlich... naja... nicht vorhanden. Wisconsin ist nämlich doch eher flach. Aber es hat mich auch nicht weiter gestört, da ich ja schon als Kind immer mit meinen Eltern in den Alpen wandern musste und das immer totlangweilig fand.
So insgesamt hat mir New Glarus echt sehr gut gefallen. Und vielleicht schaffe ich es ja nächstes Jahr, doch noch mal das Heidi Festival zu besuchen. Ich wollte doch so gern einen Ami jodeln hören!
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