20.09.2006

Von Faulkner, Dust Bunnies und fremden Dimensionen

Es ist Mittwoch und ich habe heute meine Wohnung geputzt.
Leute, die noch nie Studenten waren, wissen das Ausmaß dieser Handlung vielleicht nicht einzuschätzen, aber lasst es Euch gesagt sein:

Es ist physikalisch unmöglich eine Studentenwohnung sauber zu halten.

Sämtliche Staub- und Schmutzartikel des Universums scheinen sich von meiner kleinen Wohnung wie von einem schwarzen Loch angezogen zu fühlen. Und obwohl ich es eigentlich besser wissen sollte, verbringe ich jede Woche viel zu viel Zeit damit, gegen besagte Gesetze der Physik zu kämpfen, um meinen Traum von einer sauberen Wohnung nicht völlig zu begraben.

Heute habe ich den Boden gefegt, gesaugt und gewischt. Ich habe mir selbst so einen Swiffer zugelegt und bin wie wild durch meine Wohnung geswiffert. Trotzdem behaupten böse Zungen immer wieder, dass ich in meiner Wohnung Wollmäuse züchten würde.

Wollmäuse? Bei mir? Unmöglich!

Die gemeine europäische Wollmaus ist gar nicht in diesen Breitengraden ansässig. Wenn überhaupt, dann kann man bei mir nur das Nordamerikanische Dust Bunny finden. Aber auch das halte ich nur für ein bösartiges Gerücht. Soweit ich weiß, ziehen Dust Bunnies luxeriösere Apartments, mit Stereoanlagen, Breitbildfernsehern und TiVos vor und damit kann ich nun leider doch nicht dienen.

Außerdem würde sich das äußerst menschenscheue Dust Bunny durch meinen Staubsauger bestimmt in seinem Paarungsverhalten gestört fühlen. Wer jemals Bekanntschaft mit einem amerikanischen Staubsauger gemacht hat, weiss wovon ich spreche. Die Dinger sind so laut wie ein Panzer und fast so schwer wie eine Harley Davidson. Und wie so vieles in Amerika, haben die auch ganz schön Schmackes in sich. Einmal über das Elektrokabel gesaugt und das halbe Kabel ist futsch (- wirklich so passiert bei einem anderen Versuch, Ordnung in meiner Wohnung zu schaffen. Das Kabel ließ sich aber mit Isolierband wieder reparieren.).

Früher habe ich es ja nie für möglich gehalten, dass man mit einem Staubsauger wie im Film einen kleinen Hamster aufsaugen kann, aber ich sag es Euch: Mit diesen Dingern hier - no problemo! Keine Angst, ist noch nicht wirklich so passiert! Nicht, dass irgendein Blogleser auf die Idee kommt, mir den Tierschutzbund auf den Hals zu hetzen, der dann meine Staubsaugerbeutel nach aufgesaugten Kleintieren durchwühlt und noch mehr Chaos in meiner Wohnung anrichtet. Das wäre doch irgendwie kontraproduktiv.... Naja, zurück zum Thema, denn was ich eigentlich nur sagen wollte: Bei diesen Staubsaugern hätte so ein kleines unschuldiges Dust Bunny nicht die geringste Überlebenschance.

Aber der Staub ist nicht das einzige Problem. Wo wir vorhin schon von schwarzen Löchern gesprochen hatten: Wenn meine Wohnung wirklich ein schwarzes Loch für Staub und Unordnung darstellt, dann ist das Zentrum ohne Zweifel meine Schreibtischschublade, d.h. es sieht aus wie eine Schreibtischschublade. In Wirklichkeit ist es jedoch das Tor zu einer fremden Dimension. Was man auch in diese Schublade hineinlegt, verschwindet unwiederbringlich und taucht erst wieder in einem anderen Sonnensystem auf. Dort wundern sich wahrscheinlich kleine grüne Männchen, woher die ganzen Notizen über Faulkners „The Sound and the Fury“ kommen und was ihnen der große Autor mit diesem Werk sagen will.

Liebe kleine grüne Männchen, habt keine Angst. Ihr seid nicht die einzigen in diesem Universum, die den Sinn dahinter nicht ganz verstehen können.

Naja, leider ist im Moment dieses Tor zu einer fremden Dimension auch vollig ausgelastet und deshalb stapeln sich in meiner Wohnung überall Bücher, Artikel, Hausaufgaben von meinen Studenten und Unterrichtsmaterialien.

Mittlerweile betrachte ich diese Sachen schon gar nicht mehr als Unordnung, sondern vielmehr als Dekoration oder als Accessoires, die in Farbe und Stil perfekt auf das allgemeine Thema meiner Wohnung, "totales Chaos", abgestimmt sind. Andere Leute haben auf ihrem Esstisch eine Vase mit frischen Schnittblumen kunstvoll arrangiert - ich lager dort einen Stapel Artikel über Zweitspracherwerb. Wo bei anderen Menschen bestickte Kissen das Sofa zieren, verleihen die bunten Graphen meiner letzten Studie der Sitzgruppe einen besonderen Akzent. Und gerade eben habe ich meine frisch gespülten Teller so kunstvoll in meiner Spüle zum Trocknen aufgestellt, dass man sie mit halbgeschlossenen Augen fast für ein modernes Kunstwerk halten könnte.

Dazu sage ich nur: Mission erfüllt.

Und wieder einmal ist es mir gelungen, mein Apartment vom Staub zu befreien und somit alle Gesetze der Physik zu überlisten. Für heute ist die Welt (und besonders meine Wohnung!!!) wieder in Ordnung.

Doch morgen wartet schon die nächste Herausforderung auf mich: Zeitreisen.
Mit etwas Glück schaffe ich es vielleicht gleichzeitig, Hausaufgaben zu kontrollieren, an meiner Studie zu arbeiten und nebenbei noch eine halbe Stunde im Fitnessstudio zu trainieren. Drückt mir die Daumen, denn wenn etwas schief geht, lande ich vielleicht auch in einer anderen Dimension und muss mit kleinen grünen Männchen Faulkner diskutieren.

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