... gabelte sich mein Lebensweg plötzlich in zwei Richtungen. Ich holte tief Luft und wählte den Pfad, der mich in die Fremde führte. Nach Wahrheit und Wissen strebend gelangte ich an einen Ort, an dem die Menschen saure Gurken frittieren und es ständig heiß ist...
17.07.2007
Neue Kategorie
13.07.2007
Nici on Tour
Ich bin immer noch auf der anderen Seite des Ozeans, sprich in Good Old Germany.
In den letzten Tagen habe ich ganz viele Freunde und Verwandte besucht und bin ein paar Mal in einem kleinen Äuteken quer durchs Ruhrgebiet geflitzt. Von Recklinghausen bis runter nach Aachen, wobei ich fast in Belgien gelandet wäre. Die deutschen Autobahnen sind aber auch kompliziert, wenn man sich erst mal an das Schachbrettmuster der amerikanischen Straßen gewöhnt hat! Und wieso ich auf dem Rückweg plötzlich in der Düsseldorfer Innenstadt stand, ist mir auch nicht ganz klar.
Naja, morgen wechsel ich mal das Fortbewegungsmittel und fliege nach Österreich zur Hochzeit meiner Cousine. Ich bin dann erst mal wieder weg. Tschüssikowski!
08.07.2007
Amerikanische Küche
Nach fast 2 Wochen Deutschlandurlaub vermisse ich Amerika schon so sehr (hey, was macht denn mein amerikanischer Gastblogger eigentlich?), dass ich jetzt angefangen habe, meine Eltern amerikanisch zu bekochen. Wenn man von ein paar verbrannten Hähnchenkeulen und meiner verzweifelten Suche nach Raspberry Vinegarette in unserem deutschen Supermarkt mal absieht, hat bisher auch alles ganz gut geklappt. Beim Stöbern nach neuen amerikanischen Gaumenfreuden im Internet bin ich dann plötzlich über dieses Cooking Festival gestolpert.
... und schon musste ich loslegen. Um an dem Festival teilzunehmen muss man ein amerikanisches Rezept veröffentlichen. Da viele meiner Freunde in Deutschland mir nicht ganz glauben, dass sich die Amis auch von anderen Sachen als Hamburger und Cola ernähren, habe ich mich für ein etwas gesünderes Rezept entschieden. Und hier ist es:
Amerikanischer Brokkoli Salat
Dieser süß-salzige Rohkostsalat passt gut als Beilage zum Grillen, oder zu einem kalten Buffet. Da er vor dem Verzehr eine Weile durchziehen muss, schmeckt er besonders lecker, wenn man ihn am Abend vorher zubereitet.
Zutaten:
8-10 Scheiben Schinken
1 frischen Kopf Brokkoli (natürlich roh)
¼ cup = 4 EL rote Zwiebel, fein gehackt
½ cup = 8 EL Craisins/ so `ne Art Rosine aus Preiselbeeren gemacht
3 EL (weißen) Essig
2 EL Zucker
1 cup = ca. 16 EL Mayonnaise
ca. 8 EL Walnüsse oder Sonnenblumenkerne (nach Belieben mehr oder weniger)
Zubereitung:
Den Schinken scharf anbraten, abkühlen lassen und in kleine Stückchen schneiden.
Die Zwiebel fein hacken und den Brokkoli in sehr kleine Röschen teilen. Den rohen Brokkoli mit der Zwiebel und den Rosinen mischen.
In einer kleinen Schüssel den Essig, den Zucker und die Mayonnaise als Dressing anrühren.
Das Dressing über die Brokkoli-Zwiebel-Rosinen-Mischung gießen und den Salat mindestens 2 Stunden im Kühlschrank durchziehen lassen.
Vor dem Servieren die Sonnenblumenkerne und die Schinkenstückchen unter den Salat mischen.
Ergibt ca. 6 Portionen
Für mehr Beiträge darüber, was die Amis so mit ihrem Essen anstellen, findet Ihr hier: Chökölätekäke und Brätwürst
Falls Ihr auch ein Lieblingsrezept habt (muss auch nichts mit Amerika zu tun haben), lasst es mir bitte zukommen. Mir gehen nämlich so langsam die Ideen aus und ich freue mich immer wieder, etwas Neues auszuprobieren.
03.07.2007
Heute gibt's was auf die Ohren
Wie man merkt, hat "Max" diesmal herausgefunden, wie man so einen Podcast mit Sound Effects unterlegt und dies auch bis an seine äußersten Grenzen ausgetestet... Tststs! Trotzdem ganz lustig!
29.06.2007
Globalisierung im Supermarkt
Jedesmal, wenn ich wieder nach Deutschland komme, fallen mir die Sachen auf, die sich seit meinem letzten Besuch verändert haben. Heute war ich zum Beispiel mal wieder einkaufen. Ich kann mich noch gut erinnern, als sich früh immer ältere Leute darüber aufgeregt haben, wie viel Englisch gesprochen wird und dass immer mehr Produkte englische Namen bekommen haben:
Erdnüsse hießen auf einmal peanuts, die Vanillemilch wurde plötzlich zum vanilla milk shake und statt Hähnchenflügel gab es überall chicken wings.
Aber scheinbar waren sich die Leute damals noch nicht den Ausmaßen der EU bewusst. Wenn man heute in einen deutschen Supermarkt geht, dann findet man nicht nur Lebensmittel mit englischen Produktbezeichnungen, sondern man kann für ein paar Euros die ganze Vielfalt Europas mit nach Hause nehmen.
In den Konserven, in denen sich früher Chilibohnen befanden, sind heute Chili bonner drin (das o von bonner ist eigentlich quer durchgestrichen, aber Blogger will das einfach nicht so in dem Post drucken). Und anstelle der leckeren Vollkornnudeln mit Spargel, gibt es nur noch Fusilli Integrali und dazu Asperges zu kaufen. Meine Oma backt neuerdings ihre Mohnstriezel mit pavot bleu, kann sich dafür aber über die original österreichische Marillenmarmelade freuen, die früher aus Aprikosen gemacht wurde. Beim Käse habe ich die Auswahl zwischen Queso Manchego oder der leichteren Weight Watcher Variante die jetzt von Vikt Väktarna hergestellt wird. Die neuen Muntsnoepjes schmecken genauso wie die Pfefferminzbonbons, die es früher immer an der Kasse gab.
Richtig lustig wird es allerdings bei den Getränken. Zwar kann ich mir noch ungefähr denken, dass im finnischen (?) Hapankirsikkanektari wohl Kirschnektar/saft drin ist, jedoch wird es beim polnischen (?) brusinky Nápoj z ovocné št’avy doch etwas schwieriger, den Inhalt zu erraten. Zum Glück gibt es da noch das Bildchen und Logo, die mir verraten, dass ich damit wohl Preiselbeersaft von Ocean Spray kaufe.
So wird das Einkaufen zum Abenteuerurlaub und ich finde, dass es jetzt viiiiieeel mehr Spaß macht. Und die Amis, die früher Pauschalreisen unter dem Motto 1 Woche Europa = 10 Länder in 7 Tagen gebucht haben, können für wesentlich weniger Geld fast genauso viel Kultur an einem Nachmittag im Supermarkt erleben. Also, wenn das keine Globalisierung direkt vor der Haustür ist! :o)
24.06.2007
Sommer
Ich dachte, ich schreibe über den Sommer hier. Vielen ist es nicht bewusst, dass "Sommer" eigentlich nicht "Sommer" heißt, sondern "Straßenbauzeit". Es ist eine lange Tradition, die von den ursprünglichen deutschen Einwanderern stammt. Laut Legende haben die Indianer in dieser Gegend dieselbe Tradition gehabt. Jedes Jahr um diese Zeit fangen Männer mit orangefarbigen Helmen an, die Straßen auszureißen. Alle. Auf ein Mal. Der Busverkehr kommt zum Stillstand, Großmütter dürfen die Kreuzungen nicht mehr überqueren. Ein FDJler kann da auch nicht behilflich sein.
Hier ist aber eine Feier angesagt! Der Bürgermeister lässt eine große Tribüne aufrichten, worauf er jedes Jahr eine feierliche Rede zum Beginn der Straßenbauzeit hält. Es wird Cola getrunken; Feuerwerke werden von den Kleinen angezündet. Die summen über Lake Mendota ins Finsternis der ersten Nacht der Straßenbauzeit.
In der E. W. Avenue wechseln die Straßenbauarbeiter jeden Tag die Spuren, die offen zum Verkehr stehen. Wo im Winter sechs Fahrbahnen streckten, drei nach Westen und drei nach Osten, bleiben nur zwei übrig. Montags darf man nur auf der rechten Seite fahren. Dienstags, Mittwochs und Bastille-Tag ist das Fahren nur auf der linken Seite erlaubt. Das Tempo wird von 40 Stundenmeilen bis zu 15 Stundenmeilen gesenkt, damit all die Kinder, die die große Straße entlang tagtäglich stehen, ein bisschen mehr die Autoparade schätzen können. Kuck da! Ein Cabrio mit einem kahlen Mann am Steuer. Wo bleibt die Perücke? Vom Winde verweht! Und nun kommt ein alter Dodge, durchgerostet und offenbar ohne funtionierende Klima-Anlage. Die Fenster sind alle offen, und 15 schmutzige Kinder schauen von den Hinterfenstern starr aus. Die Kinder an den Straßenseiten lachen und jubeln. Vielleicht bekommen sie noch eine kleine Süßigkeit von dem Auto? Da ist leider nur den Stinkefinger zu sehen, und das schon zum dritten Mal. Die Kinder wollen was Neues!
Aber nicht nur die E. W. Avenue liegt in Trümmern, sondern auch die andere Hauptverkehrsader der Stadt. Und dieses Jahr wird Straßenbauzeit besonders schön gefeiert! Dort wird nämlich nicht nur die rechte Spur neu betoniert, sondern die zwei linken Spuren werden für jeglichen Verkehr völlig gesperrt, da ein neues Hochhaus schnell zusammengebastelt wird. Solche Baustellen hab ich seit Speer nicht mehr gesehen! Solcher Eifer! Und ein Block weiter, noch ein neues Gebäude, diesmal für die Business-School.
Der Bürgermeister freut sich außerordentlich über die diesjährige Straßenbauzeit. Ihm schwebe nämlich eine neue Straßenbahn vor. Aber will er sie dieses Jahr bauen, denn die Straßen werden sowieso neu gepflastert, und es würde die spätere Arbeit erleichtern, die Schienen diese Straßenbauzeit zu legen. Nein, meint er, wir müssen bis nächste Straßenbauzeit warten, damit wir dann richtig feiern können. Und die Kinder sind schon darauf begeistert.
Südländercharme
Die Leute im Süden sehen ganz anders aus als bei uns im hohen Norden in Wisconsin. Naja, ihr wisst schon. Besonders so im Gesicht. Wie nennt man das noch mal? Ach ja, LÄCHELN. Gibts in Wisconsin zwar auch ab und zu, aber nicht so oft und nicht so ohne Grund wie in Atlanta. Und die Deutschen lächeln ja nie ohne Grund. War fast ein wenig unheimlich. Hat mir aber gut gefallen.
In der Wartehalle habe ich mich direkt hinter 2 Südstaatler-Ladies gesetzt und ihnen bei der Unterhaltung zugehört. Macht man ja eigentlich nicht, aber ich hab eh nur die Hälfte verstanden und ich fand die Sprache so faszinierend. Da hätte ich noch tagelang zuhören können.
Soweit also meine ersten Erfahrungen mit den Südstaatlern. Ich glaub, ich komme wieder.
18.06.2007
Langsames Dahinschmelzen
Unibibliothek
Mein Computer und ich allein an einem kleinen Tisch umgeben von tausenden von Büchern, die noch älter riechen als sie eigentlich sind. Beim Anblick der ganzen Bücher und Artikel, die ich eigentlich alle für meine Dissertation hätte lesen sollen, bricht mir der kalte Angstschweiß aus, sodass die gut klimatisierten Räume auch nicht viel helfen.
Chancen hier das nächste Kapitel meiner Dissertation zu beenden:
Ziemlich gut. Chancen dabei den Sommer zu genießen: Null.
Cafeteria des Universitätskrankenhauses
Sehr gut klimatisiert, ausgezeichnete Möglichkeit einen gut aussehenden, reichen, amerikanischen Neurochirurgen kennen zu lernen, innerhalb der nächsten 6 Monate einen $30.000 teuren Verlobungsring am Finger zu tragen, Green Card zu bekommen... oder zumindest davon zu phantasieren. Das Tagträumen wird durch die Lage der Cafeteria im Keller des Krankenhauses (kein Sonnenlicht) stark begünstigt.
Chancen hier das nächste Kapitel der Dissertation zu beenden:
Welche Dissertation? Ich habe doch gerade eben den Neurochirurgen erwähnt. Passt denn hier niemand auf, wenn ich was schreibe!
Picnic Point
Romantisch lauschiges Plätzchen am See mit vielen Bänken und sogar einem kleinen Stückchen Sandstrand. Guter Ort um sich zu bräunen und faul in der Sonne zu schmoren. Leider auch nicht klimatisiert und daher besteht große Gefahr, sich zu überhitzen, besonders wenn gut durchtrainierte junge Männer im Collegealter mit freiem Oberkörper an einem vorbeijoggen.
Chancen dabei das nächste Kapitel der Dissertation fertig zu schreiben:
Gegen Null tendierend.
Das kleine Café um die Ecke
Gut klimatisiert, kostenloser wirefree internet access, leckeres Essen und guter Kaffee, aber leider zu oft überfüllt. Außerdem ein wenig kostspielig: 25 Mal Lunch und ich könnte mir auch gleich eine Klimaanlage kaufen.
Chancen hier das nächste Kapitel meiner Dissertation zu beenden:
Relativ gut, der Kaffee gibt neue Energie, trotzdem große Ablenkungsgefahr aufgrund von Hormonschub ausgelöst durch süßes Baby am Nebentisch.
So, ich versuche jetzt noch mal ein wenig an meiner Dissertation zu schreiben – und zwar in meinem Apartment, denn hier hat sich gerade die Luftfeuchtigkeit maximiert, sprich: es hat angefangen zu regnen. Zum Glück hat es sich auch etwas abgekühlt. Wenn es wieder wärmer wird, wisst ihr ja jetzt, wo ihr mich finden könnt.
P.S.: Da der Sommer noch lange nicht vorbei ist, nehme ich auch gerne weitere Tipps für coole und kühle Hang Outs als Kommentar entgegen.
13.06.2007
... hmmm, maybe I should move.
Last weekend, there was a BBQ at my apartment complex. Usually, I don't like to go to these picnics, because there is just too much gossip going on and I don't like getting involved in stuff like that. But this time, I went.
BIG MISTAKE! Humongous mistake!
Within only 30 minutes, I was asked the following questions (I. KID. YOU. NOT.):
Do you remember when the Oldsmobile was burning in the parking lot and then the motorcycle caught fire, too?
- Hmm, I vaguely remember something burning in the parking lot....
Do you remember last summer when the silo of the bagel factory exploded and there was flour everywhere and it caught fire and we thought everything was gonna burn down?
- No, I was in Germany last summer.
Have you seen the condom sniffing dog they brought in after the girl next door had been raped?
- Someone was raped next door?????
But the question that really threw me over the edge was this one:
Say, Nici, have you noticed any changes in the gang tags on your building, lately?
- GANG TAGS???
Apparently, there have been gang tags on my building (my back door to be specific!). I thought it was just graffiti and it always disappeared within a day, because maintenance always came over right away to take a picture and to clean it up or paint it over. But appartently the signs were gang tags and just recently they changed so that the local police was notified.
Well, it seems like my building marks the border between two gang areas. That also explains why the police have been driving up and down the street lately.
Yesterday, they exchanged the locks on all the buildings in my apartment complex - even though I am not quite sure how that is going to protect me if there is a drive-by shooting. Okay, maybe I am exaggerating now. Tthese gangs are probably just some highschool gangs or something. But I think it is time to move, anyway.
And this is the reason, why I don't go to these BBQs. Maybe it is just me, but I sleep much better at night, if I don't know about condom sniffing dogs and gang tags on my back door.
07.06.2007
Willste mit mir geh'n?
Wir starten den Tag mit einem leckeren Frühstück in einem kleinen Café, von denen es hier so viele in MadTown gibt. Bei einem Zimtbrötchen mit Kaffee lesen wir die Morgenzeitung und unsere Emails. Die meisten Menschen sind sich dessen nicht bewußt, aber das Glück schmeckt nach warmen Zimtgebäck und riecht wie frisch gebrühter Morgenkaffee.

Danach geht es richtig los. 15 Minuten Fußweg und schon sind wir am Lake Mendota. Vielleicht mag ich den See so gern, weil blau meine Lieblingsfarbe ist und er immer wunderschön tiefblau und so geheimnisvoll aussieht. Und wenn der Himmel dann auch ganz blau und ohne Wolken ist, sieht der See fast wie ein Stückchen Himmel aus.
Von dort aus schlendern wir am See entlang zur Innenstadt.

Durch die Bäume sieht man kleine Segel- und Motorboote, die ihre Besitzer zum Baden oder Angeln in Ufernähe angelegt haben. In Wisconsin gibt es viele kleine Seen und so manches Häuschen hat auch einen kleinen Privatsteg. Jaja, wenn ich mal im Lotto gewinne...

... bis es soweit ist, muss ich halt am Ufer bleiben und kann höchstens mit meinen Füßen über Kieselsteine waten, anstatt sie von meiner Yacht ins Wasser baumeln zu lassen.
Weiter geht es über die State Street, an kleinen Geschäftchen, noch mehr Cafés und dem Theater vorbei hinauf zum Capitol. Da jetzt Sommerferien sind, sieht man kaum Menschen auf der Straße. Während des Semesters wimmelt es nur so von Studenten. Die Stadt hat im Sommer immer ein ganz anderes Gesicht als während des restlichen Jahres.
Selbst hier ist im Moment wenig los. Am Wochenende gibt es immer einen großen Markt rund um das Capitol, auf dem Bauern und kleine Händler ihre Waren anpreisen.

Wir machen uns aber wieder zurück auf den Weg zum Campus. Selbst im Sommer trifft man hier auf Studenten und auch so manches bekannte Gesicht läuft einem über den Weg.

Zum Schluss machen wir es uns auf der Terrasse am See gemütlich und lassen es uns bei einem kühlen Bier gut gehen.
So, und hier sitz ich jetzt auch wirklich. Leider nicht bei einem Bier, sondern nur mit meinem Laptop und sollte eigentlich an meiner Dissertation schreiben. Also zurück an die Arbeit...
01.06.2007
Meet my new companion: Bob
Hmm, hab ich mir gedacht, wo kommst du denn her?
Da er sich nicht vorgestellt hat, und auch sonst nichts sagte, hab ich ihn einfach Bob genannte, (a) weil Robert zu formal geklungen hätte und (b) wegen "Jay und Silent Bob". Ich glaube, es hat ihm gefallen, denn er ist gleich ein wenig größer geworden.
Auf dem Weg zur Uni ist mir dann aufgefallen, wie mich ein paar Leute im Bus komisch angeschaut haben. Bis ich bemerkt habe, dass sie nicht mich, sondern Bob angestarrt haben, der mittlerweile meinen ganzen Arm hochgeklettert war und es sich auch auf meinem anderen Arm gemütlich gemacht hatte. Naja, er hat sich praktisch geklont und kleine Bläschen gebildet.
Als die Leute dann wegen Bob einen großen Bogen um mich zu machen begannen und ein Hippie-Student fast vom Auto überfahren wurde, weil der Bürgersteig scheinbar nicht groß genug für mich, Bob und den Hippie war, wurde mir doch etwas mulmig.
Vielleicht hätte ich auch etwas ahnen sollen, als die Leute bei meinem Anblick in ihre Büros huschten und die Türen hinter sich verschlossen. Aber erst als die nette Sekretärin meinte, ich solle vielleicht doch zum Dermatologen gehen, oder zum Hausarzt oder wenigstens in die Notaufnahme - bloß ganz schnell ganz weit weg von hier, denn der Ausschlag am Hals sähe doch etwas gefährlich aus, wurde ich mir bewusst, dass Bob auf einer Ganzkörpermission war.
Also hab ich mich auch auf eine Mission begeben, nämlich noch am selben Tag einen amerikanischen Arzt zu Gesicht zu bekommen. Meine deutschen Leser werden den Schwierigkeitsgrad dieser Mission bestimmt nicht verstehen können, aber ich sach es euch: Aufgrund meiner super-super-super-billigen Krankenversicherung hier ist das gar nicht so einfach.
Im Gegensatz zu Deutschland, wo man nämlich einfach zum Arzt geht, wenn man zum Arzt gehen will, darf man das hier nicht. Man muss erst einen Termin vereinbaren (scheinbar auch, wenn es sich um ein akutes Leiden handelt) und genau das ist das Problem.
Ich also da angerufen und gesagt, dass ich gerne einen Dermatologen sehen würde. Böser Fehler. Einen Arzt zu sehen ist schon so gut wie unmöglich, aber auch noch den Anspruch zu stellen, einen Facharzt sehen zu dürfen - Frechheit!
Mir wurde freundlich aber bestimmt mitgeteilt, dass ich nur meinen Hausarzt sehen dürfte und der mich dann erst zu einem Dermatologen überweisen müsste, der aber vor Ende August auch keine Termine mehr hätte und meinen Hausarzt dürfte ich - wie war noch gleich der Name- auch nicht sehen, weil der gerade im Urlaub sei.
Währendessen machte sich Bob auch schon über meinen Rücken her.
Ich versuchte dann ebenfalls freundlich und bestimmt zu erklären, dass es mir eigentlich egal wäre, welchen Arzt ich sehen würde, denn ich hätte einen gefährlichen und ansteckend aussehenden Ausschlag und wenn das Telefonat weiterhin so verlaufen würde, hätte sich der Ausschlag bald über den gesamten Mittleren Westen bis hin zu den Dakotas ausgebreitet, dude!
Daraufhin wurde ich in die Warteschleife gelegt.
Super! 5 cm meinen Rücken weiter runter, bzw. 10 Minuten später, meldete sich die gute Dame dann zurück. Sie war etwas überrascht, dass ich immer noch in der Leitung war, aber Bob und ich sind beständig. So einfach wird man uns nicht los. Ich drohte ihr damit, die ganze Stadt mit Masern/Röteln/Windpocken oder wozu Bob sonst noch alles fähig wäre, anzustecken. Sie meinte, mich würde gleich eine Krankenschwester zurückrufen.
2 Stunden später, Bob machte sich mittlerweile auch über meine Brust her (ein typisch männlicher Ausschlag - war ja mal wieder klar) rief dann passend eine männliche Krankenschwester bei mir an und diagnostizierte mich übers Telefon mit Gürtelrose. Uh-hu! Musste ich natürlich gleich ergoogeln, aber Bob hat rein gar nichts mit einer Gürtelrose gemeinsam. Aber scheinbar trifft die Beschreibung "roter Ausschlag" auf so ziemlich alles zu. Naja, wenigstens durfte ich dann doch einen Doktor sehen - dachte ich jedenfalls. Ich bekam einen netten Termin beim Arzt und machte mich auf den Weg.
In der Praxis angekommen wurde mir mitgeteilt, dass Bob keinen Arzt, sondern nur einen Assistenten sehen dürfte. Bob machte das nichts aus und er ließ sich stattdessen lieber gemütlich auf meinen Oberschenkeln nieder.
Eine halbe Stunde später traf dann auch besagter Assistent ein, warf einen Blick in meine Kartei und verschrieb mir Antibiotika und so eine Creme mit Steroids.
Wusstet ihr, dass amerikanische Mediziner einen Röntgenblick haben? Nicht? Naja, anders ist es ja nicht zu erklären, dass der Typ Bob diagnostizieren konnte, ohne dass ich mich ausziehen musste oder er sich Bob in seiner ganzen Schönheit überhaupt angesehen hat. Wahnsinn.
Beim nächsten Mal spare ich mir den Gang zum Arzt. Bob und ich - wir machen uns einfach einen gemütlichen Abend vorm Fernseher. Wir klemmen uns höchstens noch einen schottisch-amerikanischen Burger hinter die Kiemen, denn die sollen ja angeblich auch voller Antibiotika sein.
Und wie lautet das Fazit des heutigen Tages? 1:0 für Bob, der auf meinen Zehen sitzt und seine Ganzkörpermission erfüllt hat, während ich immer noch keinen richtigen Arzt sehen konnte. Super.
I´m just gonna kick back, pop some antibiotic pill, and call this a day. See ya tomorrow, Bob!
22.05.2007
Büüüüüüüücher
Gebunden oder Taschenbuch?
Hmmm. Kommt drauf an. Normalerweise Taschenbücher, aber nur, wenn sie nicht schon beim angucken auseinanderfallen.
Amazon oder Buchhandel?
Buchhandel um zu gucken, was es so alles auf dem Markt gibt, kaufen bei Amazon, weil es da meistens billiger ist - oder im Half Price Bookstore. Hier in MadTown gibt es nämlich diese super Buchläden, in denen man gebrauchte Bücher zum halben Preis (und manchmal sogar noch billiger) bekommen kann.
Lesezeichen oder Eselsohr?
Eselsohr! Lesezeichen sind mir immer im Weg. Man stelle sich Nici im Bus vor, in der einen Hand die Laptoptasche, in der anderen Hand den Schirm plus die Fahrkarte, dann krame ich mit der Hand auch noch mein Taschenbuch aus dem Rucksack, den ich auch noch über eine Schulter kunstvoll geschwungen habe - mit welcher Hand soll ich da bitteschön noch ein Lesezeichen aus meinem Buch fischen? Ich bin durch meine Versuche im Taschenjonglieren meistens eh schon der Alleinunterhalter im Bus.
Ordnen nach Autor, nach Titel oder ungeordnet?
Nach Thema und danach ästhetisch schön nach Größe oder Farbe, damit es in die Wohnung passt.
Behalten, wegwerfen oder verkaufen?
Behalten, was sich allerdings mittlerweile als Problem herausstellt. Meine kleine Studentenwohnung hat keinen Platz mehr für ein zusätzliches Bücherregal. Ich glaube, ich muss bald mal wieder zu Ikea.
Schutzumschlag behalten oder wegwerfen? Mit Schutzumschlag lesen oder ohne?
Ich bin kein großer Fan von Schutzumschlägen - aus dem gleichen Grund wie die Sache mit dem Lesezeichen. Diese Umschläge gehen ständig verloren oder zerreißen und sehen häßlich aus. Meistens ist das Buch darunter auch häßlich. Also werden die Schutzumschläge behalten und nur um das Buch geschlagen, wenn es im Regal steht, beim Lesen wird er abgemacht.
Kurzgeschichten oder Romane?
Ich mag beides, aber es darf nicht zu fiktional sein.:o) Wenn ich zu schnell das Ende voraussehen kann oder wenn mir irgendeine heile Welt vorgegaukelt wird, dann wandert das Buch in die hinterste Ecke meines Regals, wo es eine neue Karriere als Staubfänger starten darf.
Sammlung (Kurzgeschichten von einem Autor) oder Anthologie (Kurzgeschichten von verschiedenen Autoren)?
Eigentlich ist mir das egal, so lange der Inhalt gut ist. Eine Anthologie ist nicht unbedingt eine Sammlung von Kurzgeschichten. Es können auch Gedichte oder Romanausschnitte etc. sein.
Harry Potter oder Lemony Snicket?
Sind beide nicht meine Freunde. Ich glaube, ich hab nur das erste Harry Potter Buch gelesen. Trotz der großen Popularität hat es mich nicht so vom Hocker gehauen.
Aufhören, wenn man müde ist oder wenn das Kapitel endet?
Niemals aufhören. Habe leider die Tendenz mit Büchern im Bett einzuschlafen und mit Eselsohrabdrücken im Gesicht morgens aufzuwachen. Ich sach es euch - mir fehlt der Mann!
„Die Nacht war dunkel und stürmisch“ oder „Es war einmal“?
Die dunkle, stürmische Nacht.
Kaufen oder Leihen?
Sowohl als auch. Leihen, was das Zeug hergibt, da mein Lesedrang leider nicht mit meinem Gehalt korreliert. Was es nicht zu leihen gibt, oder was ich unbedingt behalten will, wird gekauft.
Neu oder gebraucht?
Meistens gebraucht. Gute Ideen, Träume und Geschichten nutzen sich nicht ab, auch wenn sie vorher schon von anderen gelesen wurden.
Kaufentscheidung: Bestsellerliste, Rezension, Empfehlung oder Stöbern?
Meistens stöbern, weil ich doch einen ziemlich eigenen Geschmack habe, aber ich bin auch immer offen für Empfehlungen und lese Rezensionen. Bestsellerlisten beeindrucken mich meistens nicht.
Geschlossenes Ende oder Cliffhanger?
Geschlossenes Ende.
Einzelband oder Serie?
Sowohl als auch.
Lieblingsserie?
Da möchte ich mich eigentlich nicht so festlegen.
Lieblingsbuch, von dem noch nie jemand gehört hat?
"A Chance of Love" von Jimmy Liao, das romantischste Bilderbuch, das die Welt je gesehen hat.
Lieblingsbuch, das du letztes Jahr gelesen hast?
Oh, ich hab so viele Bücher gelesen. Ich glaube: "Good in Bed" von Jennifer Weiner war ganz gut und hat bei mir die Sucht nach ChickLit geweckt, ein ganz neues Genre, in das ich vorher noch nicht abgetaucht war.
Absolutes Lieblingsbuch aller Zeiten?
Hesse "Klingsors letzter Sommer"
So, jetzt werfe ich mal dieses Stöckchen weiter an Nachtwache, weil sie immer so fleißig Kommentare hinterlässt und an Shannon, der wahrscheinlich gerade auch mit seiner Nase viel zu tief in seinen Büchern steckt. Also bitte die Fragen kopieren und in euren Blogs beantworten. Ich freue mich schon aufs Lesen!
19.05.2007
Über das Wollknäuel, das sich Leben nennt
Da ich mich schon so lange nicht mehr gemeldet habe, finde ich, ich bin euch eine Erklärung schuldig:
Naja, zunächst einmal muss ich als Entschuldigung vorbringen, dass wir hier das Ende des Semesters haben und dass hier dann immer so viel los ist. Und es stimmt auch, ich steckte mal wieder bis über beide Ohren in Arbeit - nein wartet - eigentlich stecke ich immer noch drin! :o) Echt war!
Aber der eigentliche Grund, warum ich mich in letzter Zeit nicht viel gemeldet habe, ist, weil sich hier im Moment so viel verändert.
Ich habe immer geglaubt, dass die Grad School die beste Zeit meines Lebens wäre. Ich durfte unterrichten (das, was ich schon immer wollte), ich habe neue, interessante Sachen gelernt, aber vor allen Dingen habe ich so viele liebe Menschen hier getroffen.
Diese Menschen waren es, die mir geholfen habe, in einem fremden Land zu überleben, alle Schwierigkeiten an der Uni und im täglichen Leben zu überwinden und neben der Schule auch noch viel Spaß zu haben. Ich finde, wenn man ganz allein in einem fremden Land ist, sind gerade solche Freunde besonders wichtig. Ich habe diese Freunde richtig lieb gewonnen und in mein Herz geschlossen. Nicht umsonst hatte ich immer auf meiner Liste auf der linken Seite vom Blog stehen, dass ich meinen Freunden zeigen will, wie dankbar ich ihnen für die schöne Zeit bin (siehe Nr. 10 auf der Liste). Mir haben die Menschen hier immer besonders viel bedeutet.
Naja, und nun, am Ende des Semesters, verlassen ziemlich viele dieser Menschen MadTown für immer. Fast alle meiner engsten Freunde hier ziehen weg. Sie haben ihren Abschluss gemacht, neue Jobs in anderen Bundesstaaten gefunden, haben geheiratet oder sehen neue Möglichkeiten an anderen Orten.
Ich freue mich für meine Freunde wirklich sehr. Ich finde es super, wenn sie woanders einen guten Job gefunden haben usw. Deswegen ist es eine gute Art der Veränderung. Auf der anderen Seite bin ich aber auch traurig, dass diese "schönste Zeit meines Lebens" zu Ende zu gehen scheint. Irgendwie bricht die kleine Welt, die ich mir hier über Jahre hinweg aufgebaut habe, gerade abrupt zusammen.
Ich weiß, dass ich viele dieser Menschen nie wieder sehen werde, denn dieses Land ist ja so unwahrscheinlich groß und sie ziehen tausende von Kilometern weit weg. Wenn meine Freunde in Deutschland einen Neuanfang gewagt haben, sind sie nie so weit weg gezogen und ich konnte mich immer wieder ins Auto setzen, um sie zu besuchen, aber hier ist das irgendwie anders. Außerdem habe ich so meine Bedenken bei manchen Amis (besonders bei bestimmten männlichen), wie das so mit dem im Kontakt bleiben klappen wird ... Naja, mal gucken.
Aber es ist halt doch recht komisch, wenn man jemanden fast jeden Tag über die letzten Jahre hinweg gesehen hat, die Person ins Herz geschlossen hat, gemeinsam durch Freud und Leid gegangen ist, und auf einmal ist dann alles vorbei und man wird sich nie wieder sehen. Und wenn es sich dann nicht nur um eine Person handelt, sondern zur gleichen Zeit um eine ganze Hand voll, dann ist das schon sehr traurig.
So, das ist also der Grund dafür, warum ich in letzter Zeit nicht so in der Stimmung war, lustige Einträge für meinen Blog zu schreiben.
Am Ende des Semesters sieht mein Leben immer wie ein chaotisches Wollknäuel aus. Nur im Moment ist dieses Knäuel halt ein wenig mehr verknotet als sonst und ich versuche gerade verzweifelt, einen neuen Anfang zu finden. Denn mit jedem Ende kommt auch ein neuer Anfang und das Leben geht immer weiter.
P.S.:
Just in case one of the above mentioned friends stumbles across this post:
THANKS for being my friends! I'll miss you! :o)
07.05.2007
Party!
Jetzt denken sich bestimmt viele Leser, dass das ja nichts besonderes ist, das Studenten feiern und so. Tjaaaaa, aber da habt ihr noch nicht diese Party gesehen. Im Durchschnitt nehmen da so ca. 10.000 Studenten dran teil. Und das alles auf der Fläche von nur einem einzigen Straßenblock. MadTown wurde schließlich nicht umsonst zur Nummer 1 Party School in den USA ernannt. Da am Samstag auch noch der 5. Mai und somit der mexikanische Unabhängigkeitstag Cinco de Mayo war, wurde richtig losgefeiert. Wie das dann so aussah könnt ihr in der Bildergalerie zu diesem Artikel im Isthmus sehen. Der Wahnsinn!
In meinem ersten Jahr hier in Madison, wusste ich noch nicht so genau, was dieser Party so auf sich hatte und eher ahnungslos auf dem Weg zum Supermarkt mitten in die Mifflin Street gelaufen. Ich konnte gerade noch sehen, wie ein Student von mir verhaftet wurde, denn die Amis nehmen es ja sehr genau mit dem Alkoholkonsum. Unter 21 Jahren darf man nicht mit einem Bier erwischt werden, sonst wird man verhaftet. Und bei der Mifflin Street Party darf man das Bier auch nur auf Privatgrundstücken trinken. Sobald man damit auf die Straße tritt, bekommt man einen Strafzettel und muss $300 (nicht übertrieben - echt wahr!) blechen. An diesem Wochenende wurden 366 Leute somit deutlich ärmer.
Naja, aber ich bin ja eigentlich nicht eine solche Partylöwin. Aber ich gehe schon ganz gerne mal abends weg usw. Deshalb hab ich mir dieses Wochenende ein paar Freunde geschnappt und bin in eine Bar gezogen, um meine Feldstudien an der männlichen Spezies fortzusetzen. Nach einem Daiquiri Swirl und einem Amaretto Sour ist es mir dann sogar gelungen, schriftliche Daten in Form eines Bierdeckel-Beer-O-Grams zu sammeln:


Naja gut, ich glaube, man muss doch in der richtigen Stimmung sein, um den Joke zu verstehen. Es war aber ein lustiger Abend!
